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Mobile Payment und die „Digital Natives“

September 14th, 2017 Geposted von Allgemein, Cross-Channel, Digital Retail, News, Trend Kein Kommentar

Warum mit Mobile Payment beschäftigen?

Alle kennen das: Wenn man beim Bäcker oder Kiosk an der Kasse steht und nach passendem Kleingeld sucht. Jenem Kleingeld, welches das Portemonnaie schwer werden lässt. Das Kleingeld, das man deshalb so gerne loswerden würde. Aber dann reichen die Münzen nicht und man muss zum großen Schein greifen. Und dann gibts noch mehr Kleingeld zurück. 

Mobile Payment, also bargeldloses Bezahlen, klingt dagegen sehr verlockend. Zwar kann man schon fast überall mit Karte zahlen aber wie praktisch wäre das, auch diese Plastikkarten nicht mehr mit sich führen zu müssen, sondern digital auf dem Handy gespeichert zu haben? Weniger Gewicht in der Hosentasche und kein Suchen nach Kleingeld mehr oder nach der richtigen Karte, wenn man mit unterschiedlichen Karten getrennt für Privathaushalt und Büro einkaufen will. Auch Überweisungen könnten ganz einfach vom Handy aus möglich sein, sogar ohne die Kontonummer des Empfängers zu kennen. Die Emailadresse würde ausreichen, PayPal macht’s vor.

Ich finde, das klingt doch nicht schlecht. Deshalb frage ich mich als Student: Woran liegt es eigentlich, dass Mobile Payment in Deutschland noch nicht richtig angekommen ist? Schlicht an der Sturheit der älteren Generationen? Oder daran, dass wir jungen Leute durch den demographischen Wandel jetzt hoffnungslos in der Unterzahl sind?

In diesem Beitrag möchte ich versuchen euch zu zeigen, was Mobile Payment ist und was die Menschen in meinem Alter darüber denken.

 

Mobile Payment

 

Was ist Mobile Payment eigentlich? Darunter versteht man die Möglichkeit, mit dem Handy nicht nur die heutzutage gängigen Online-Banking-Funktionen durchzuführen, sondern auch an der Kasse zu bezahlen, wie mit einer Kredit- oder EC-Karte, sodass man sein Portemonnaie nicht mehr mit sich herumtragen muss. Der Zahlungsvorgang an der Kasse via Mobile Payment unterscheidet sich von einer konventionellen Zahlung mit Karte nur in der Hinsicht, dass der Vorgang digital und kontaktlos abläuft. Die Karte existiert also nicht mehr in Plastik, sondern digital auf dem Handy. Bei einer ausreichenden Verbreitung der nötigen Technik in Geschäften und auf mobilen Endgeräten muss also überhaupt kein Bargeld mehr mitgenommen werden. Je nach Anbieter soll man u.U. sogar Geld an teilnehmenden Geschäften wie z.B. auch Kiosken jederzeit kostenlos abheben oder aufs Konto einzahlen können.

Das Handy könnte demnach künftig alle finanziellen Vorgänge ermöglichen. Als Hauptargumente dafür gelten der gewonnene Komfort sowie die Zeitersparnis durch die Beschleunigung des Zahlungsverkehrs. Bekannte Hauptargumente gegen Mobile Payment sind Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und des Daten- und Verbraucherschutzes, ebenso die Tatsache, dass es an einem einheitlichen System mangelt und die Angst vor den Folgen einer befürchteten Abschaffung des Bargelds.

 

Das Problem der technischen Innovation

 

In Deutschland wird die Technik von der Mehrheit der Bevölkerung noch nicht genutzt, da sie noch weitestgehend unbekannt ist. Zudem gibt es in der gegenüber technischem Wandel oftmals misstrauischen Gesellschaft Deutschlands Vorbehalte in Bezug auf Sicherheit und Datenschutz. Anbieter zögern deshalb noch bei der Markteinführung der Technik in der Bundesrepublik. In anderen Ländern hingegen ist es längst üblich mit dem Handy zu bezahlen. Apples System Apple Pay zum Beispiel ist sowohl in den USA als auch in China bereits verfügbar. Vor Allem in den Großstädten des asiatischen Raums hat sich Mobile Payment als Zahlungsmethode etabliert. Das „Digitale Entwicklungsland“ Deutschland hinkt bei der Nutzung technischer Innovationen im internationalen Vergleich hinterher.

 

Die Rolle der jungen Generation

 

In Zeiten des Umbruchs – sowohl im politischen Sinn, als auch in Bezug auf die Umwelt und die schnell voranschreitende technologische Entwicklung – wächst in einer zunehmend überalternden Gesellschaft einerseits der Druck auf die kommenden Generationen und andererseits wird es wichtiger, diese jungen Menschen nicht nur auf die Zukunft vorzubereiten, sondern sie bei der Gestaltung dieser Zukunft zu berücksichtigen. Wie die junge Generation über das Thema Mobile Payment denkt, ist daher sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft besonders von Interesse. Mit einer Umfrage unter jungen Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren wollte ich daher herausfinden, wie die “Digital Natives” über Mobile Payment denken. Obwohl mit 32 befragten Personen leider keine repräsentative Stichprobe gelungen ist, denken wir vom KundenbüroHH, dass die Umfrage ein geeignetes Stimmungsbild der jugendlichen Bevölkerung zum Thema bargeldloses Bezahlen darstellt.

 

Die Umfrageergebnisse

 

1. “Welche Rolle spielen für dich die folgenden Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen die digitale Bezahlmethode Mobile Payment?”

Für ganz wesentlich für die Zukunft von Mobile Payment halte ich die Frage, anhand welcher Kriterien sich junge Menschen eigentlich für oder gegen die bargeldlose Bezahlmethode entscheiden. Deshalb habe ich die Befragten ausgewählte Kriterien hinsichtlich ihrer Relevanz bei der Entscheidung für oder gegen die Nutzung von Mobile Payment in einer Matrix bewerten lassen. Die Befragten konnten so die Wichtigkeit von z.B. dem Kriterium der Nutzerfreundlichkeit von “absolut unverzichtbar” über “sehr wichtig”, “eher wichtig”, “eher unwichtig” und “sehr unwichtig” bis hin zu “völlig irrelevant” beurteilen.

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Beim ersten Thema, der Gewichtung der Entscheidungskriterien, war der Konsens hinsichtlich der

Sicherheit und Zuverlässigkeit (hierzu gehören Fragestellungen wie z.B. Kommt die Zahlung sicher an? Wie schützt der Anbieter den Zugriff auf mein Konto? Schützt mich der Anbieter vor Betrug? Ist das System anfällig für Störungen?) und Vertrauenswürdigkeit und Datenschutz (z.B. Wie wird mit meinen persönlichen Daten umgegangen? Welche Befugnisse hat der Anbieter? Kann der Anbieter einsehen, wofür ich mein Geld ausgebe?) besonders auffällig:

93,75% halten Sicherheit und Zuverlässigkeit für “absolut unverzichtbar”, 3,12% halten sie für “sehr wichtig”,

Vertrauenswürdigkeit und Datenschutz halten 59,37% für “absolut unverzichtbar” und 34,37% für “sehr wichtig”.

An diesen beiden hochgeschätzten Themen wird somit kein Anbieter von Mobile Payment vorbeikommen, sie sind für junge Nutzer ein absolutes Muss.

 

Auch Nutzerfreundlichkeit (z.B. Ist das System unkompliziert und übersichtlich? Ist es leicht zu verwenden? Hat es alle nötigen und keine unnötigen Funktionen?) steht als Entscheidungskriterium für oder gegen bargeldloses Bezahlen besonders hoch im Kurs: 28,12% haben diese als “absolut unverzichtbar” und 46,87% sie als “sehr wichtig” eingestuft. 18,75% finden Nutzerfreundlichkeit nur “eher wichtig”.

 

Die folgenden weiteren Kriterien waren vielen Befragten ebenfalls wichtig:

Die Verbreitung (z.B. Auf welchen mobilen Geräten ist das System verfügbar? Welche Geschäfte unterstützen das Zahlungssystem?), welche 31,25% als “absolut unverzichtbar” einschätzen, 28,12% “sehr wichtig” finden und 15,62% “eher wichtig”,

sowie die Vielfalt der Anwendungen (z.B. Muss ich Prepaid-Guthaben kaufen oder kann ich auch Kreditkarten und EC-Karten hinterlegen? Dient das System nur dem Bezahlen an der Kasse und klassischen Online-Banking-Funktionen oder kann ich damit mit dem Handy auch Geld einzahlen und abheben?), die von 12,5% als “absolut unverzichtbar”, von weiteren 34,37% als “sehr wichtig” und von 15,62% als “eher wichtig” empfunden wird,

und nicht zuletzt die Schnelligkeit (z.B. Beschleunigt das Mobile Pay-System den Bezahlvorgang? Ist der Kauf in wenigen Schritten abzuwickeln? Spart man Zeit im Gegensatz zur Zahlung mit Bargeld?) die mit 15,62% als “absolut unverzichtbar”, zu 28,12% als “sehr wichtig” und zu 25% als “eher wichtig” gilt,

gehören noch eindeutig zu den populären Beurteilungskriterien bei einer Entscheidung für oder gegen die bargeldlose Bezahlmethode. Sie sollten ebenfalls von Anbietern berücksichtigt werden.

 

Als vergleichsweise unwichtig gelten den Befragten hingegen

die Präsenz und Akzeptanz in der Gesellschaft (z.B. Gilt das System als hip oder modern? Ist es in meinem Umfeld üblich? Ist es mir wichtig, potentiell zukunftsweisende Technologien zu nutzen um als Konsument den technischen Fortschritt zu unterstützen?) und der Spaßfaktor (z.B. Hat das System ein ansprechendes Interface/Design? Macht die Verwendung der Bezahlmethode Spaß?):

31,25% halten die Präsenz und Akzeptanz in der Gesellschaft als Entscheidungskriterium für “absolut irrelevant”, 25% halten sie für “sehr unwichtig” und 6,25% für “eher unwichtig”,

während der Spaßfaktor zu 34,37% als “absolut irrelevant” bewertet wurde, zu 15,62% als “sehr unwichtig” und zu 21,87% als “eher unwichtig”.

Dies sind allerdings auch Faktoren, die von dem Anbieter der Bezahlmethode nur schwer beeinflussbar sind. Insofern sollten sich Anbieter bestenfalls z.B. wirkungsvolle, stark präsente Werbestrategien ausdenken, um die Akzeptanz in der Gesellschaft zu erhöhen, oder ihr Bezahlsystem z.B. mit Informationen und Rabattaktionen der teilnehmenden Filialen verknüpfen um den Spaßfaktor zu erhöhen. Sollte man dem allerdings nicht nachgehen können oder wollen, brauchen diese beiden Kriterien vermutlich nicht berücksichtigt zu werden.

 

Stark umstritten ist – für mich überraschend – das Thema Tragekomfort (z.B. Verringert das digitale Bezahlen das Gewicht, das ich mit mir herumschleppen muss?). Die Wichtigkeit dieses Faktors wird zu 28,12% als “absolut irrelevant” und zu 3,12% als “sehr unwichtig” bewertet. Auf der anderen Seite betrachten hingegen 6,25% den Tragekomfort als “absolut unverzichtbar” bei ihrer Entscheidung für oder gegen die Nutzung von Mobile Payment und 18,75% finden das Kriterium sehr wichtig. Die Mehrheit von zusammengezählt 43,75% bewegt sich im Mittelmaß: 18,75% der Befragten haben für “eher unwichtig” und 25% für “eher wichtig” gestimmt.

 

2. “Würdest du Mobile Payment nutzen oder tust es bereits?”

Ein weiterer Aspekt, den ich für besonders wichtig halte ist der, ob die Befragten Mobile Payment nutzen würden oder nicht und ob aus ihrer Sicht eher die Vorteile oder die Nachteile des bargeldlosen Bezahlens überwiegen. Die Befragten konnten angeben, dass es keine relevanten Nachteile gebe und sie das System auf jeden Fall nutzen würden, dass die Vorteile überwiegen und sie das System nutzen würden, dass die Nachteile überwiegen und sie es nicht nutzen würden oder dass es keine relevanten Vorteile gebe und sie es auf keinen Fall nutzen würden. Zudem gab es auch die Möglichkeit der Enthaltung.

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Mit 12,5% der Befragten haben nicht gerade wenige angegeben, sie würden Mobile Payment auf jeden Fall nutzen, da sie keinerlei Nachteile in der Bezahlmethode sehen. Weitere 37,5% sind der Auffassung, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen und sie würden Mobile Payment ebenfalls nutzen. 15,6% hingegen würden Mobile Payment nicht nutzen, weil die Nachteile aus ihrer Sicht die Vorteile überwiegen und 25% geben sogar an, dass es aus ihrer Sicht überhaupt keine relevanten Vorteile gibt. Somit steht eine einfache Mehrheit von genau 50%, welche die bargeldlose Technik nutzen würde, einer ebensowenig weg zu leugnenden Minderheit von 40,6% gegenüber, die nicht bargeldlos bezahlen würde. 9,4% der Befragten haben sich zu der Frage enthalten.

 

Es existiert also zweifellos eine große Skepsis unter den jungen Menschen gegenüber der Bezahlmethode Mobile Payment. Auch wenn eine Mehrheit offen für bargeldloses Bezahlen ist, muss man Notiz davon nehmen dass die Zahl derer, die Mobile Payment ausschließlich nachteilhaft finden, mit 25% doppelt so groß ist wie der Anteil der 12,5% die es ausschließlich vorteilhaft finden. Die Tatsache, dass die Gruppe der “Befürworter trotz Nachteilen” mit 37,5% unter allen Befragten in der Mehrheit sind, sollte Anbietern trotzdem Hoffnung machen.

 

3. “Welche der folgenden Bezahlsysteme hast du schon mal genutzt?”

In der nächsten Frage wollte ich noch genauer darauf eingehen, welche Anwendungen von den Befragten genutzt werden. Zur Auswahl standen die PayBack App, PayPal, Boon, händlereigene Apps (wie z.B. die Apps von Starbucks, Edeka und Vapiano) sowie die Angaben “Andere” und “keine davon”. Diese Information halte ich für eine wichtige Grundlage für eine anschließende Untersuchung, was die bekanntesten Anbieter von Mobile Payment denn richtig(er) machen im Vergleich zu anderen.

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Nur bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich. Besonders auffällig ist hier die enorme Verbreitung der App PayPal: Während immerhin 25% der Befragten angaben, keine Mobile Payment-Systeme zu verwenden, gaben 75% an, PayPal zu verwenden. Das sind also im Umkehrschluss alle Personen, die überhaupt solche Bezahlsysteme nutzen! Außerdem wird die PayBack App von 6,3% verwendet und 15,6% verwenden händlereigene Apps. 18,8% gaben an, andere nicht genannte Systeme zu nutzen. Ein nächster Schritt hätte sinnvollerweise auch sein können, diese anderen Systeme zu erfragen.

 

4. “Findest du, dass sich das Bezahlen im Internet und das bargeldlose Bezahlen an der Kasse (Mobile Payment) unterscheiden? Und wenn ja, inwiefern?”

Um von denjenigen Personen, die nicht bargeldlos mit dem Handy bezahlen aber durchaus online Konsumgüter bestellen, den Grund dafür zu erfragen, lautete meine nächste Frage ob und worin ein Unterschied zwischen Online-Shopping und bargeldlosem Bezahlen an der Kasse besteht. Dadurch wollte ich ggf. aufzeigen oder ausschließen, dass der geringe Erfolg von Mobile Payment in Deutschland auf entscheidende Nachteile gegenüber dem Online-Shopping zurückzuführen ist.

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Bei den Freitext-Antworten auf diese Frage hat sich herausgestellt, dass diese von einigen Befragten nur unzureichend beantwortet wurde. Zwar wurden häufig Bequemlichkeit, Schnelligkeit oder Komfort als einziges Unterscheidungsmerkmal zwischen Online-Shopping und Mobile Payment genannt, allerdings wurde oft nicht erklärt, welche Art des Einkaufens die bequemere, schnellere und komfortablere Variante ist! Es lässt sich nur vermuten, dass Mobile Payment – und konventionelle Bezahlmethoden in der Filiale wahrscheinlich ebenso – gegenüber dem Online-Shopping als unbequemer empfunden werden.

 

Abgesehen davon war die Antwort, es gäbe keine relevanten Unterschiede zwischen Online-Shopping und Mobile Payment, sehr häufig.

Besonders interessant finde ich die folgenden, für Mobile Payment negativ ausfallenden Aussagen, die ebenfalls relativ häufig vorkamen:

Nämlich erstens die Position, dass man dem Online-Shop eher vertrauen könne als dem Mobile Payment-Anbieter, da der Kunde im Online-Shop eine größere Sicherheit genieße. Das Hacking von Handys sei für Kriminelle zu einfach und deshalb wolle man zwischen dem Handy und dem Konto keine Verbindung herstellen. Bei Diebstahl des Handys seien Nutzer von Mobile Payment zudem schlechter geschützt.

Zweitens die Meinung, Verbraucher würden im Online-Shop durch mehrmalige Abfragen von Daten und Zahlungsbestätigungen und eine größere Zeit zum Überlegen weniger zum Kauf von Produkten verleitet als das vor Ort in der Filiale (unabhängig von der Zahlungsmethode) der Fall sei. Eine hohe Schnelligkeit beim Bezahlvorgang und die Realität an der nicht-virtuellen Kasse würden den Kunden also dazu verleiten, mehr zu kaufen oder ihn daran hindern, es sich anders zu überlegen.

Dieses Ergebnis ist auch vor dem Hintergrund, dass fast 70% der Befragten weiblich waren, interessant. Ich hätte erwartet, dass gerade junge Frauen das Shopping-Erlebnis vor Ort in der Filiale dem virtuellen Kauf im Online-Shop vorziehen und daher die Beschleunigung an der Kasse durch Mobile Payment begrüßen würden.

 

Eine außergewöhnliche Antwort bestand darin, dass die Existenz von Bargeld nach wie vor sinnvoll und notwendig sei, um Kindern den Umgang mit Geld beibringen zu können. Dies war zwar keine direkte Antwort auf meine Frage, aber sicher ein stichhaltiges Argument gegen die vollständige Abschaffung von Bargeld.

 

Eine andere befragte Person hat sich zudem besorgt darüber geäußert, Mobile Payment könnte vom Staat verpflichtend eingeführt werden. Dies steht nicht nur beispielhaft für die in Deutschland populäre Skepsis gegenüber Innovation, sondern auch für die Angst, technische Innovationen könnten zum Nachteil von Verbrauchern missbraucht werden. Außerdem wird auch hier wieder deutlich, dass Sicherheitsbedenken in Deutschland keinesfalls vernachlässigt werden sollten.

 

5. “Welche Erfahrungen hast du mit Mobile Payment gemacht?”

Weiterführend wollte ich dann wissen, welche Erfahrungen die Befragten gemacht haben: Ob sie überhaupt nicht wussten, dass es Mobile Payment gibt, ob sie davon wussten und sich bloß nie dafür interessiert haben, ob sie, wenn sie es nutzen, positive oder negative Erfahrungen damit gemacht haben und ob diese Erfahrungen dazu geführt haben, die Bezahlmethode nicht mehr zu nutzen. Ich wollte ggf. bestätigen oder ausschließen können, dass die geringe Nutzung von Mobile Payment auf schlechte Erfahrungen damit zurückzuführen ist.

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Der Anteil derer, die angeben, zuvor gar nicht von Mobile Payment gewusst zu haben, ist mit 6,3% sehr gering. Allerdings springt ebenso ins Auge, dass eine einfache Mehrheit von genau 50% angibt, von Mobile Payment gewusst und sich einfach nie dafür interessiert zu haben. Alle übrigen Befragten haben Mobile Payment bereits genutzt:

9,4% haben die Nutzung aufgegeben, weil sie keinen Mehrwert gegenüber konventionellen Bezahlmethoden erkannt haben und 3,1% gaben die Zahlmethode aus “anderen Gründen” auf. Immerhin hat niemand die Bezahlmethode wegen schlechten Erfahrungen aufgegeben! Stattdessen gaben 3,1% der Befragten sogar an, Mobile Payment trotz schlechter Erfahrungen weiterhin zu nutzen. 15,6% der Befragten nutzen die Technik immer noch und haben damit überwiegend positive Erfahrungen gemacht, weitere 12,5% sogar durchweg positive Erfahrungen.

 

Hier zeigt sich, dass Anbieter noch viel stärker für Mobile Payment werben müssen. Die absolute Mehrheit dieser jungen Menschen interessiert sich entweder nicht dafür oder hat die Nutzung beendet, weil die Bezahlmethode nicht als nützlich empfunden wurde. Dabei haben auch viele Nutzer sehr positive Erfahrungen gemacht und niemand hat wegen schlechter Erfahrung die Nutzung eingestellt. Momentan scheint der Grund für die Entscheidung für oder gegen Mobile Payment nur eine reine Typfrage zu sein.

 

6. “Ist die Bezahlmethode Mobile Payment deiner Meinung nach schon ausgereift, oder steht sie noch am Anfang ihrer Entwicklung?”

Da ich einen wesentlichen Grund für die Zurückhaltung in Deutschland gegenüber Mobile Payment darin vermutete, dass die Konsumenten die Technik nicht für ausreichend entwickelt und erprobt halten, wollte ich auch wissen, für wie ausgereift die jungen Befragten die Technik auf einer Skala von 1 bis 10 halten.

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Die Skala von 1 (steckt in den Kinderschuhen) bis 10 (ist einsatzbereit und weiter entwickelt als in der Öffentlichkeit präsent), mit der die Befragten ihre Einschätzung des Entwicklungsstands von Mobile Payment ausdrücken sollten, ist unerwarteter Weise relativ breit ausgefallen. Die Mehrheit plädiert jedoch für den Bereich der oberen Mitte, für die Werte von 6 bis 8: Zusammengezählt haben 53,2% für die Zahlen 6, 7 und 8 auf der Skala gestimmt. Nur jeweils 3,1% stimmten für 9 bzw. 10, die Einschätzung einer sehr weiten Entwicklung ist damit also ziemlich selten. Wiederum zusammengezählt stimmten dagegen deutlich mehr Personen, nämlich 9,4% der Befragten für die Werte 1 und 2. Die Einschätzung einer äußerst geringen technischen Entwicklung von Mobile Payment ist somit im Vergleich populärer. Außerdem stimmten zusammen 31,3% für die Werte der unteren Mitte: 3, 4 und 5.

 

Meiner Meinung nach ist davon auszugehen, dass die Befragten den Entwicklungsstand niedriger eingeschätzt haben, je schwerwiegender aus ihrer Sicht die Nachteile von Mobile Payment – z.B. unter dem Aspekt der Sicherheit – wiegen.

 

7. “Welche Erwartungen hast du an die zukünftige Entwicklung von Mobile Payment?”

Zuletzt wollte ich wissen, was die jungen Befragten von der zukünftigen Entwicklung des bargeldlosen Bezahlens erwarten: Ob das Bargeld komplett ersetzt werden wird, ob Mobile Payment von zunehmend mehr Menschen genutzt werden wird ohne das Bargeld abzuschaffen, ob es dauerhaft nur von einer Minderheit verwendet werden wird oder ob sie sogar der Ansicht sind, es handele sich nur um einen Techniktrend, der wieder verschwindet. Auch hier gab es allerdings die Möglichkeit, sich zu enthalten.

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Mit dieser abschließenden Frage hat sich gezeigt, dass eine absolute Mehrheit von 62,5% zwar mit einer starken Zunahme der Nutzung von Mobile Payment rechnet, aber nicht davon ausgeht, dass die Methode zur Abschaffung des Bargeldes führen wird. Immerhin 18,8% wiederum vermuten sehr wohl, dass Mobile Payment derart erfolgreich sein wird, dass die Technik Bargeld ersetzen wird. Dagegen sind nur 12,5% der Meinung, Mobile Payment-Systeme würden auch in Zukunft trotz größeren Angebots nur von einer Minderheit  der Bevölkerung genutzt werden. Nur 6,3% wollen dazu keine Meinung angeben. Außerdem hat niemand angegeben, Mobile Payment sei nur ein Techniktrend, der wieder verschwinden wird. Wenn es also nach der jungen Generation geht, könnte die Technik trotz Vorbehalten in der Bevölkerung und trotz der persönlichen Skepsis vieler Befragten sehr erfolgreich sein.

 

Fazit

 

Das mit Abstand wichtigste an Mobile Payment ist der jungen deutschen Generation, dass es sicher ist. Sowohl Sicherheit und Zuverlässigkeit als auch Vertrauenswürdigkeit und Datenschutz sind enorm geschätzte Qualitäten und liegen noch weit vor den eigentlichen Vorteilen von Mobile Payment gegenüber konventionellem Bezahlen, die von Anbietern und Befürwortern häufig vorgebracht werden. Vor Allem der Gewinn an Komfort ist vielen Befragten nicht wichtig und ein ziemlich großer Anteil der Befragten würde das bargeldlose Bezahlen derzeit nicht nutzen, weil die bekannten Vorteile von Mobile Payment aus ihrer Sicht nicht relevant sind oder Nachteile diese Vorteile überwiegen.

 

Auch ist der technische Entwicklungsstand für Verbraucher schwierig einzuschätzen. So hatten die Befragten doch recht unterschiedliche Ansichten darüber, wie einsatzfähig Mobile Payment derzeit eigentlich ist. Vermutlich rührt auch daher ein großer Teil der Sicherheitsbedenken. Die Technik wird tendenziell als Risiko mit geringem Nutzen wahrgenommen, trotz positiver Erfahrungen von Nutzern. Möglicherweise werden diese Erfahrungen nicht ausreichend kommuniziert. Vermutlich ist Mobile Payment hierzulande einfach nicht im Gespräch.

 

Die enorme Verbreitung von PayPal bietet jedoch großes Potential. Viele wissen scheinbar nicht, dass PayPal neben seinen vereinfachten Online-Überweisungen auch das Bezahlen an der Kasse ermöglicht. Und eine große Zahl an Nutzern hat sich bisher für die Möglichkeit, mit dem Handy an der Kasse zu bezahlen, überhaupt nie interessiert. PayPal, das durchaus über diese Funktion verfügt, könnte seine Nutzer verstärkt auf die bargeldlose Bezahlmethode aufmerksam machen, zumal einige Personen positive Erfahrungen mit Mobile Payment gemacht haben.

 

Kurz: Über Mobile Payment muss mehr geredet werden! Nur so können Anbieter eines Bezahlsystems den potentiellen deutschen Nutzern ein passendes Angebot machen, dem sie vertrauen. Und nur mit dem Vertrauen der Nutzer kann eine Modernisierung unserer Art einzukaufen vonstatten gehen.

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