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Onlineshopping im Laden – Chance oder Unsinn?

September 3rd, 2013 Geposted von POS, Trend 1 Kommentar
Mit „storeplus“, „Shopify-POS“ und „MEO“ treten drei unterschiedliche Konzepte mit dem gleichen Ziel an: echte Online-Zusatzumsätze im Laden zu generieren.

Ist doch merkwürdig: alle stationären Händler, die einen Onlineshop in Betrieb genommen haben, zerbrechen sich den Kopf, wie sie am POS frequenzgenerierende Werbung für ihren Shop machen können anstatt die vorhandene Frequenz im Laden sofort für sich zu nutzen…

Doch die mittlerweile zunehmenden Bemühungen der Vertriebsweg-Verzahnung führen dazu, dass erste Händler umdenken. Insbesondere in UK. Dort hat z.B. Marks & Spencer nicht nur Click & Collect eingeführt, sondern auch auffällige Inseln geschaffen, an denen der Kunde via Touch-Screen-Anwendung Zugriff auf das gesamte Onlinesortiment hat.

Aber warum sollte das für den Kunden interessant sein? Weil er dann (im Idealfall) Zugriff auf Artikel hat, die er im Laden gerade nicht findet. Das können ausverkaufte Artikel  (Größe, Farbe,…) oder aber reine Online-Artikel sein, die eine zu seltene Nachfrage erzeugen als dass sie von M&S in jeder Filiale vorgehalten werden.

An dieser Stelle könnte man jedoch einwenden: „Jaja, kennen wir, funktioniert nicht. Da braucht man sich doch nur die Touch-Screen-Stehlen bei SportScheck anzuschauen. Die stehen auch mehr im Weg als dass sie vom Kunden genutzt werden.“

Das stimmt. Die SportScheck-Lösung war noch nicht ausgereift. Zum einen liegt dies am zu großen Bildschirm. Kunden wünschen für sich zu sein, eine gewisse Schutzzone und Vertraulichkeit. Zum anderen dienen die Terminals nur der Anwendung mit dem Verkäufer. Das ist zwar prinzipiell gut und richtig, aber hierfür ist das Konzept ebenfalls zu „öffentlich“. Und: Das Frontend der Anwendung war noch nicht ausreichend POS-optimiert.

Die Chance für Online-Zusatzverkäufe im Laden ist dennoch ernst zu nehmen. Allerdings funktioniert das nicht über Nacht. Die Kunden müssen erst erleben, dass das Sortiment im Laden (im Idealfall) nicht gleichzusetzen ist mit dem Gesamtangebot des Händlers. Und der Händler muss lernen, dass es nicht mehr darauf ankommt, dass seine Kunden mit einer gefüllten Tüte ihre Läden verlassen, sondern mit einem „geleerten“ Portemonnaie.

Der stationäre Laden muss sich auf seine neuen Kernfunktionen fokussieren: Inspiration, Kommunikation, Beratung. Es geht immer weniger um Bedarfsdeckung oder Nachversorgung – das kann der Onlineshop deutlich besser.

Anders ausgedrückt: Gezieltes „Teil-Showrooming“ für die eigenen digitalen Zusatzsortimente – mit bewusster Unterstützung durch die Mitarbeiter im Laden. Wir nennen dies den „Cross-Channel-Store“ – kurz: „X-STORE“ (mehr Hintergrund hierzu auch in unserem Beitrag vom 28.11.2012).

Ebay hatte vergangenen Dezember in einer spannenden, weil überspitzen, Weise einen neuartigen stationären Laden in Berlin gezeigt: nur noch Ausstellungsmuster, keine Ware mehr zum Mitnehmen – sozusagen „X-Store-extrem“. So weit würde ich gar nicht gehen wollen. Es gibt bei jedem Handelsmodell immer noch sehr viele Artikel, die der Kunde vor Ort erwartet und auch sofort mitnehmen möchte. Und es gibt die Neuheiten, die einen Laden erst so richtig interessant machen. Aber man muss bei weitem nicht mehr jede Ausprägung vor Ort „einlagern“.

Nehmen wir z.B. farbige Smartphones. Ein Hersteller kann sicherlich bis zu 10 verschiedene Farben herstellen, die irgendwann ihre Kunden finden. Im Laden benötige ich davon aber nur die 3 Bestseller und die 2-3 Hingucker – die anderen 4 Farben können getrost im Zentrallager des Onlineshop bereit liegen. Aber: Der Verkäufer vor Ort sollte erkennen, wann ein Kunde die exotische Farbe bevorzugt … und dann sofort das Geschäft machen und den Kunden nicht einfach wieder nach Hause schicken: „Sie können ja mal bei uns im Onlineshop nachsehen. Ich glaube da haben wir noch ein paar andere Farben im Angebot“ … ärgh!

Oft scheitert die Verbindung von Off- und Online an ganz einfachen Hindernissen:

  • Ausgeprägte Profit-Center-Denke.
  • Fehlende Umsatzbeteiligung der Verkäufer im Laden.
  • Mangelnde technische und prozessuale Verzahnung der Systeme.

Jetzt gibt es 3 neue Initiativen am Markt, die hier Abhilfe schaffen wollen:

  1. Shopify POS
  2. MEO (Katag)
  3. Storeplus

Alle 3 Systeme basieren auf der Idee, den Onlineshop mit seiner gesamten und (im Idealfall) größeren Auswahl per iPad in die Läden zu bringen und mit der Kasse vor Ort zu verbinden. Doch bei Shopify funktioniert das a) nur bei Shopify-Onlineshops und b) derzeit nur in den USA. MEO ist ein Projekt der Katag AG, welches a) erst Ende 2014 fertig sein soll und b) vermutlich nur den der Katag angeschlossenen Fashion-Händlern angeboten werden wird. Bleibt somit nur storeplus.

Steps-2Storeplus ist ein systemische Lösung der storeplus GmbH & Co. KG zur Verknüpfung der Onlineshop-Angebote mit dem Kassensystem der Filialen. Ein intuitives Frontend ermöglicht Endverbrauchern die Bestellung und Bar-Bezahlung von Waren aus dem Onlineshop direkt in der Filiale des Händlers. Der Händler erweitert somit das Warenangebot und kann dadurch die Wünsche seiner Kunden noch besser bedienen. Als Hardware dienen Tablets für die Verkäufer und ein Tablet-Terminal für die Selbstbedienung durch die Kunden, inkl. Scanfunktion zur Auffindung eines Ladenartikels in fehlender Ausprägung. Der Clou für jeden Filialleiter: Die Bezahlung der online bestellten Waren erfolgt in bar an der Filialkasse. Es lohnt sich also m.E., dieses vielversprechende Konzept kennenzulernen – z.B. bei Leder-Stoll (koffer24.de) in Frankfurt, Schäfergasse 50.

Aber bitte beachten: Ein iPad im Laden macht alleine noch keinen (signifikanten) Umsatz. Es bedarf echten Mehrwerts im Onlineshop, den die Filiale so nicht abbilden kann oder möchte. Es bedarf sauberer Prozesse und klarer Verkäufer-Einweisungen bzw. -Schulungen. Und es bedarf vor allem eines Kommunikationskonzeptes zum Kunden. Nur wenn dieser den Mehrwert einer solchen Lösung versteht, spürt und dann auch erlebt wird sich langfristig ein erolgreiches Zusatzgeschäft erzielen lassen.

Fazit:

Nur der Händler der es schafft, seinen POS über „digitale“ Kundennähe und Sortimente zu bereichern, wird mittelfristig stationäre Flächen noch wirtschaftlich betreiben können.

Viele Grüße

Ihr KundenbüroHH

_für erfolgreichen Handel 2.0

 

 

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Ein Kommentar

Barbara sagt:

MEO ist ein Projekt der Katag AG!

MEO für 3.999 EURO pro Gerät. Das wird in die Hose gehen. Laut Katag soll es über Werbung finanziert werden. Wer wirbt auf solchen Gerät?

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