Warum wir Kunden Amazon (demnächst noch mehr) lieben…

August 8th, 2012 Geposted von Trend Kein Kommentar

…und warum deutsche Filialisten und Multi-Channel-Händler Amazon (demnächst noch mehr) fürchten.

„Lass mal schnell googeln.“ SUCHE = GOOGLE. Über 95% aller Suchmaschinenanfragen werden zur Zeit in Deutschland bei Google gestellt. Doch die Zeiten ändern sich. Oder sollte man lieber sagen, der Kunde ändert sich. Da der Shift im Handel von Offline zu Online rasant weitergeht, ist mittlerweile ein erheblicher Teil der Internetanfragen Shopping bezogen. Man könnte also folgern, dass diese dann auch selbstverständlich über Google laufen würden. Dem ist aber nicht so.

Warum? Weil wir Kunden vor allem eins sind: bequem oder, salopp formuliert, faul. Und genau aus diesem Grund suchen lt. Forrester Research bereits 30 % aller Deutschen Ihre Produkte direkt bei Amazon und nur knapp 12,5 % bei Google. ONLINE-SHOPPING = AMAZON. Riesige Auswahl, günstige Preise, einfache Nutzung über PC UND Smartphone, gute Suchergebnisse, praktische Empfehlungen, zahlreiche Kundenrezensionen, simple Kaufabwicklung und, und, und. Diese Vorteilsliste könnte fast endlos verlängert werden. Amazon ist heute, was das Vollsortimenter-Kaufhaus in der Vergangenheit war. Große Auswahl praktisch an einem Ort – The One-Stop-Shop. Jeden Tag noch ein wenig größer, schneller und für den Kunden spürbar besser. Wie formuliert Jörg Rode es in seinem Kommentar in der aktuellen LZ so treffend: „Der wichtigste Erfolgsfaktor ist, dass das Online-Kaufhaus nicht nur vom Kunden redet, sondern die Bedürfnisse der Verbraucher tatsächlich in den Mittelpunkt der Arbeit stellt.“ (LZ 31, 3.8.12)

Die ganze Welt des (Online)Shoppings an einem Ort, die dank Fremdanbietern auf dem Amazon Marketplace täglich umfangreicher wird. Bereits im zweiten Quartal waren lt. Amazon CFO Tom Szkutak 40% der Auslieferungen von Amazon-Fremdanbietern.

Viele gute Gründe, warum wir Kunden Amazon lieben und Händler Amazon hassen. Und verfolgt man die aktuelle Presse, wird es noch besser werden. So proklamiert Farhad Manjoo in seinem vielbeachteten Slate Magazine Beitrag vom 11.7.12 auf slate.com: „How Amazon’s ambitious new push for same-day delivery will destroy local retail.“

Warum wird soviel Wirbel um den Same-day delivery/Evening Express gemacht? Und inwiefern ist der lokale Handel davon betroffen?

Die Antwort ist ganz einfach. Amazon kommt (bedrohlich) näher. Dies ist wortwörtlich gemeint. Bis 2013 wird Amazon in Deutschland vermutlich an 8 Standorten 9 Logistikzentren aufgebaut haben. D.h. jeder Kunde in Deutschland ist durch eines dieser Logistikzentren innerhalb von 100-150 km erreichbar.

Bald Realität? Der Amazon 1 Stunden-Lieferservice

Aus Same-day delivery könnte dann schnell der 1 Stunden-Lieferservice werden. Auch wenn aktuell der Amazon CFO Tom Szkutak eine generelle Same-day delivery Strategie verneint, “We don’t really see a way to do same-day delivery on a broad scale economically“, im eng besiedelten Deutschland wird dies Amazon in naher Zukunft möglich sein.

Und damit wäre eines der wichtigsten Argumente des stationären Handels obsolet, „Wer will auf sein Produkt Tage warten, wenn er es gleich in den Händen halten kann“. Man könnte dieses Argument jetzt sogar umkehren und fragen: „Wer will für ein Produkt extra ins Auto steigen, eine halbe Stunde im Verkehr stecken und dann mühsam einen Parkplatz suchen, wenn er dank des Same-day-/Express Evening-/1 Stunden-Lieferservices das Produkt innerhalb kürzester Zeit nach Hause bekommen kann?“ Retoure gratis.

Eines ist dann sicher. Ruckzuck wird sich das Verhalten der Kunden mit den neuen bequemen Möglichkeiten verändern. Plötzlich ist Amazon gefühlt näher dran am Kunden als die Einkaufspassage in der Stadt. Dann könnte aus ONLINE-SHOPPING schnell  SHOPPING = AMAZON werden.Oder?

Der stationäre Handel wird darauf reagieren müssen. Die vielen belanglosen „Lager-auf-Fläche“-Läden werden ihre Daseinsberechtigung verlieren, da der Kunde seine Bedarfsdeckung bequemer über Online-Shops abwickelt. Dafür werden neue Stationäre bzw. Cross-Channel-Ladenkonzepte entstehen. Studien, wie z.B. die großangelegte CapGemini Studie „Digital Shopper Relevancy“ (Befragung von 16.000 Online-Shopper in 16 Ländern) zeigen, dass auch die Kunden dies so sehen. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass die Ladengeschäfte verschiedenster Kategorien sich bis 2020 zu Showrooms verwandeln, in denen man Produkte auswählt und dann bestellt. Kunden wollen wieder Spaß haben beim Shoppen und lieber immer wieder neue Erlebniswelten entdecken, als sich zwischen Paletten und Verpackungen zu langweilen.

Der Online-Wettbewerb und die Logistik-Dienstleister reagieren bereits darauf. Wie Olaf Kolbrück im Blog e-tailment am 6.8.12 berichtete, testet E-bay in den USA intensiv an einem Same-day-Delivery Pendant „eBay Now“ mit Handelspartnern, wie Macy’s, Toys’R’Us und Best Buy. Auch Zalando investiert kräftig in seinen Logistikausbau. Und sowohl die großen Logistik-Player als auch viele neue Start-ups feilen an unterschiedlichsten Lösungen, wie die letzte Meile zum Kunden noch schneller zu meistern ist.

Hat der Stationäre Handel nun tatsächlich verloren? Fakt: Die Logistikvormacht von Amazon wird der normale Einzelhandel alleine nicht nachbilden können. Spannend wird sein, ob Online-Shop-Plattformen wie E-bay, Rakuten & Co. als mögliche Einzelhandels-Partner es schaffen, hier mitzuhalten. Das hier die Zukunft liegt, zeigt auch, dass Google sich nun zunehmend intensiver und direkter in das Shoppingthema einklinkt und das Google Kernthema „Suche“ neu interpretiert.

Wer wird in Zukunft den direkten Zugang zum Kunden haben? Wer schafft es dem Kunden den Einkauf so einfach und komfortabel wie möglich zu machen? Wen werden die Kunden in Zukunft lieben?

Die aktuelle Marksituation ähnelt stark den Zeiten, als die großen Highstreet-Kaufhäuser aufkamen. Auch damals wurde lamentiert, dass die kleinen Läden sterben werden. Und ist dies passiert? Ja und nein. Die Einzelhändler die nicht mit der Zeit Schritt halten konnten, die nicht gewillt waren sich immer wieder zu hinterfragen und auch ein Stück weit neu zu erfinden, sind verschwunden. Aber diejenigen die es geschafft haben, Ihren Mehrwert raus zu arbeiten und ihre Zielgruppe zu befriedigen, haben überlebt.

Langfristigen Erfolg wird also nur der Händler haben, der einen X-Faktor (einen über alle Vertriebswege relevanten und herausragenden Cross-Channel-Mehrwert) hat und inszeniert. Dies ist hochanspruchsvoll, aber nicht unmöglich.

Aus Kundensicht betrachtet, sieht die Zukunft rosig aus. Online-Händler, die den Einzelhandel zwingen, die Kunden wieder ernst zu nehmen, (Cross-Channel-)Services, die vieles einfach, schneller und besser machen, neue Stationäre Showroom-Shops die den Kunden begeistern wollen, anstatt mit Profitcenter-„Filiale“ vs. „Internet“-Denke zu langweilen. Die Zukunft darf kommen.

Und wenn ich ehrlich bin, ich finde den 1 Stunden-Lieferservice super. Ich bin auch bereit dafür einen Aufpreis zu bezahlen. Das ist es mir wert. Wissen Sie warum? Weil ich einer dieser Kunden bin, die das Produkt gerne schnell in der Hand halten wollen. Kennen Sie die Situation, dass Sie wissen, was Sie wollen, Sie fahren in die Stadt, um dann zu hören, dass leider genau Ihre Größe oder Version vergriffen ist. Da bleibe ich doch lieber zu Hause und lasse liefern. Oder? Vielleicht sollte ich doch schnell in die Stadt, mir mal die Alternativen im Laden anschauen? Nur so zum Spaß ;-)

Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an.

Ihr KundenbüroHH

_für erfolgreichen Handel 2.0

Tags: , , , , , , , ,

Bisher kein Kommentar. Seien Sie so nett und schreiben einen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht geposted.This is a required field!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen